
Nach 25 Jahren Englischcoaching – aus Unterricht sind Gespräche geworden
Im September war ich zu Gast im Womansphere Momentum Podcast bei Noëmi Caruso. Vierzehn Minuten, und eine Frage, auf die ich keine kurze Antwort hatte. Wie sich meine Arbeit nach 25 Jahren anfühlt.
Die ehrliche Antwort ist, dass sie sich nicht mehr wie Arbeit anfühlt. Ich sitze jede Woche in Gesprächen mit Führungskräften, Selbstständigen und Menschen, die in ihrem Fach sehr weit sind und auf Englisch trotzdem langsamer werden, als ihnen lieb ist. Unterricht nenne ich das schon lange nicht mehr.
Am Anfang war es Unterricht
Vor 25 Jahren hat mich ein junger Mann gefragt, ob ich ihm bei seinem Englisch für einen neuen Job helfen kann. Sechs Monate später hat er mich in seiner Firma vorgestellt. Diese Firma ist bis heute Kundin.
Damals war das, was ich gemacht habe, klassisches Englischtraining. Vokabeln, Strukturen, Korrekturen. Irgendwann ist das verschwunden, und ich kann nicht sagen, wann genau.
Was stattdessen passiert
Die meisten kommen in die erste Stunde mit dem Rotstift im Hinterkopf. Irgendwo in ihrer Vergangenheit gab es einen Kurs, eine Prüfung, eine Lehrkraft, und sie rechnen mit mehr davon. Diese leichte Anspannung sieht man sofort.
Dann reden wir. Über den Vorstand, über die Umstrukturierung, über den Kollegen in Singapur, der auf keine Mail antwortet. Nach vierzig Minuten hat sich etwas verschoben, das mit Grammatik wenig zu tun hatte.
Das ist kein Trick. Englisch, das unter Druck nicht abrufbar ist, liegt selten an fehlenden Vokabeln. Es liegt an der halben Sekunde, in der Sie den Satz noch einmal prüfen, bevor Sie ihn sagen. Wer geprüft wird, prüft sich selbst mit. Wer ein Gespräch führt, hört irgendwann damit auf.
Was ich mitnehme
Und dann ist da der Teil, den kaum jemand erwartet. Ich gehe aus diesen Gesprächen anders heraus, als ich hineingegangen bin. Eine Finanzchefin erklärt mir, wie ihre Branche wirklich funktioniert. Ein Gründer beschreibt, was es kostet, im Raum der Schnellste zu denken und der Langsamste zu sprechen.
In 25 Jahren habe ich sehr viele Arbeitsleben von innen gesehen. Dafür bezahlt zu werden, kommt mir immer noch etwas seltsam vor.
Einen Rotstift habe ich seit Jahren nicht mehr in der Hand gehabt. Ich suche mir inzwischen aus, mit wem ich arbeite. Sonst hat sich wenig geändert.
Die Episode
Womansphere Momentum Podcast, Folge 91, mit Noëmi Caruso. Vierzehn Minuten, auf Deutsch.
Wenn Sie wissen möchten, wie sich so ein Gespräch anfühlt, bevor Sie etwas buchen, kommen Sie in eine Speak Easy Session. Kostenlos, ohne Vorbereitung.
Häufige Fragen
Ist Englischcoaching für Führungskräfte dasselbe wie Englischunterricht?
Nein. Unterricht arbeitet an dem, was Sie noch nicht können. Coaching arbeitet an dem, was Sie unter Druck nicht abrufen. Bei den meisten Führungskräften mit gutem Englisch ist das Zweite das Problem.
Warum hilft Grammatiktraining nicht gegen Blockaden im Meeting?
Weil die Blockade meistens nach dem Wissen kommt, nicht davor. Sie kennen den Satz. Er kommt nur nicht in der halben Sekunde, in der Sie ihn brauchen. Daran ändert eine weitere Regel nichts.
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