
Wie gehe ich einen Auftrag wie „16 Azubis brauchen Business English” an?
Der erste Schritt ist eine Rückfrage: in welchen Situationen werden diese jungen Menschen Englisch tatsächlich brauchen. „Business English” ist eine Ansage vom Kunden, noch kein fertiger Lehrplan – eher der Anfang eines Gesprächs.
Was heißt „Business English” für diese Gruppe eigentlich?
Eine Mentee hat mir kürzlich genau so einen Auftrag beschrieben: 16 bis 20 Auszubildende aus verschiedenen technischen Berufen, mit ganz unterschiedlichen Schulabschlüssen, sollen Business English lernen – Small Talk, Englisch für Messen, etwas technisches Englisch.
Bevor ich über Lehrbücher, Grammatik oder Vokabellisten nachdenken würde, würde ich erst klären, in welchen konkreten Situationen diese jungen Menschen Englisch brauchen: auf einer Messe, im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland, beim Verstehen technischer Anleitungen, am Telefon oder per E-Mail.
Daraus ergibt sich etwas Wichtigeres als eine Liste von Themen: was die Teilnehmenden danach auf Englisch tun können sollen – sich selbst und den Ausbildungsberuf nennen, einen Besucher am Messestand begrüßen, ein Produkt oder eine Maschine beschreiben, eine einfache Anweisung geben, oder nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde.
Müssen alle Teilnehmenden zuerst auf dasselbe Niveau gebracht werden?
Die Mentee dachte zunächst, alle müssten erst auf ein einheitliches Niveau gebracht werden.
Bei einer Gruppe von 16 bis 20 jungen Menschen mit so unterschiedlichen Schulabschlüssen und Sprachständen halte ich das für wenig realistisch.
Sinnvoller sind gemeinsame Kommunikationsziele mit unterschiedlicher Unterstützung: an derselben Messestand-Situation bekommt eine Person vorgefertigte Satzanfänge („Hello, can I help you?“, „My name is….“), eine andere nur Stichwörter, und eine stärkere Person reagiert zusätzlich auf eine unerwartete Rückfrage. Gleiche Situation, unterschiedliches Gerüst – so arbeiten alle an derselben Aufgabe, ohne dass die einen unterfordert und die anderen überfordert sind.
Was, wenn das Englisch nicht reicht?
Genau das wird im Unterricht oft übersehen, dabei sind Sätze wie diese besonders wertvoll: „Could you say that again?“, „Could you speak a little more slowly?“, „What does that mean?“, „Do you mean…?“, „I don’t know the English word, but….”. Damit macht sich jemand verständlich, obwohl gerade ein Wort oder eine Struktur fehlt – und im echten Berufsleben zählt das oft mehr als die perfekte Formulierung. In der Praxis wartet niemand auf das perfekte Wort, bevor eine Antwort kommt.
Wie kommt technisches Vokabular dazu, ohne dass es bei einer Liste bleibt?
Fachvokabular brauchen die Teilnehmenden, aber eine Liste mit fünfzig Begriffen bleibt oft folgenlos. Wirksamer ist es, mit Situationen zu arbeiten: eine Maschine funktioniert nicht („It’s not working.“, „There’s a problem with….“, „It doesn’t fit.“), oder jemand erklärt eine Aufgabe Schritt für Schritt („First….“, „Then….”, „Make sure….”, „Be careful….”). In diesem Rahmen bekommt das Vokabular einen Zweck, und genau das macht es leichter zu behalten.
Was heißt das für die Unterrichtsplanung?
Wenn ein Kunde sagt „Sie brauchen Business English“, lohnt sich zuerst eine andere Frage als die nach dem passenden Lehrbuch: was diese Menschen auf Englisch tatsächlich tun können sollen. Das verändert die ganze Planung. Für mich gehört diese Frage – was sollen die Teilnehmenden danach können, und wie kommen sie dahin – zum eigentlichen Kern guter Vorbereitung.
Wenn Sie öfter in genau diesem Moment stehen – ein Auftrag ist da, und der Anfang ist unklar – sind solche Fragen genau das, was wir im Mentoring für Sprachtrainer:innen gemeinsam durchgehen. Der Business-Klarheitscheck zeigt in wenigen Minuten, wo bei Ihnen der größte Hebel liegt.


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