Was ich nach 25 Jahren als Englischtrainerin anders machen würde
Angefangen habe ich ohne Plan. Jemand fragte, ob ich einem jungen Mann mit Englisch helfen könnte, ich sagte ja, und ein halbes Jahr später saß ich beim Personalleiter seiner Firma. Dieses Unternehmen ist bis heute meine Kundin.
Vieles davon war Glück. Anderes habe ich mir unnötig schwer gemacht. Fünf Dinge, die ich heute früher tun würde.
Ich würde früher aufhören, alles anbieten zu wollen
Am Anfang nimmt man, was kommt. Bei mir war das unter anderem eine Gruppe Kinder zwischen drei und zehn Jahren.
Ich habe ziemlich schnell gemerkt: Das bin ich nicht. Nicht, weil die Kinder anstrengend gewesen wären, sondern weil mich nicht interessiert hat, was dort passierte. Und wer sich nicht dafür interessiert, was das Gegenüber sagen will, ist in diesem Beruf am falschen Platz.
Jedes zusätzliche Angebot fühlt sich nach Sicherheit an. Wenn das eine wegbricht, trägt das andere. Tatsächlich ist es umgekehrt: Wer alles anbietet, wird für nichts empfohlen. Empfehlungen entstehen, wenn jemand einen Satz über Sie sagen kann.
Ich würde weniger Zeit mit perfekten Materialien verbringen
Material zu erstellen fühlt sich nach Arbeit an, und es ist die Art Arbeit, die man kontrollieren kann. Anders als ein Angebot zu schreiben und auf Antwort zu warten.
Nur erinnert sich niemand an ein Arbeitsblatt. Meine Kundinnen erinnern sich an das Gespräch, an den Moment, in dem sie einen Satz zum ersten Mal ausgesprochen haben, an das Lachen über ein falsches Wort. Heute arbeite ich ohne Material. Bis dahin sind Hunderte Stunden in Dateien geflossen, die niemand je wieder geöffnet hat.
Ich würde früher merken, welches Format zu mir passt
Ich habe jahrelang fast nur mit Firmen gearbeitet, meistens in Gruppen. Und ich war oft frustriert, ohne genau sagen zu können, warum.
Rückblickend war es das: In einer Firmengruppe sitzen Menschen, die geschickt wurden. Manche wissen nicht, wofür sie Englisch brauchen sollen, und dann ist die Motivation entsprechend. Der Firmeninhaber sagt, die Arbeit kommt zuerst — das verstehe ich. Schwieriger wird es, wenn ich Teilnehmende ein halbes Jahr nicht sehe und niemand mir sagt, dass sie nicht mehr kommen.
Ich brauche etwas anderes, um gut zu arbeiten: Ich muss Fortschritt sehen. Wenn jemand einen Satz zum ersten Mal ohne Anlauf sagt, merke ich das sofort, und das trägt mich durch den Rest der Woche. In der Einzelarbeit passiert das ständig. In einer Gruppe von sechs Geschickten passiert es selten.
Firmen sind deshalb nicht das Problem — eine meiner Firmenkund:innen begleite ich seit 25 Jahren. Es ging um das Format. Auf Eins-zu-eins hätte ich viel früher setzen sollen.
Ich würde früher verstehen, dass das zwei Berufe sind
Eine gute Trainerin zu sein und ein gutes Unternehmen zu führen hat wenig miteinander zu tun. Das eine lernt man in der Ausbildung, das andere nirgends.
Ich war lange gut im ersten und ahnungslos im zweiten. Preise, die ich nicht verhandelt habe. Anfragen, auf die ich zu ausführlich geantwortet habe, weil ich fürchtete, sonst unfreundlich zu wirken. Das ist keine Frage von Talent. Es sagt einem nur niemand.
Und ich würde mich weniger vergleichen
Der Vergleich stimmt fast nie, weil das Modell dahinter ein anderes ist. Wer zwanzig Gruppen unterrichtet, verdient anders als jemand, der acht Menschen einzeln begleitet. Von außen sieht man die Auslastung, nie die Zahlen — und nie, ob die Person damit zufrieden ist.
Ich habe jahrelang auf Kolleg:innen geschaut, deren Geschäft völlig anders gebaut war als meines, und daraus geschlossen, dass ich etwas falsch mache.
Was ich genauso wieder machen würde
Anfangen, ohne es zu können. Ich hatte keine Methode, als ich mit dem jungen Mann arbeitete. Ich hatte nur Interesse an dem, was er sagen wollte. Das ist bis heute der Kern, und es ist zugleich der Grund, warum es mit den Dreijährigen nicht funktioniert hat.
Falls Sie gerade an einem dieser Punkte stehen: Genau dafür gibt es das Mentoring für Sprachtrainer:innen. Nicht für den Unterricht — den können Sie. Für alles andere.


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