Vom Korrigieren zum Coachen: Was ich bei EULETA über Global English gesagt habe

Ich sage nicht mehr fortnight. Auch nicht brolly, chinwag oder codswallop. Alles sauberes britisches Englisch, und in einem internationalen Meeting hilft es niemandem.

Darüber habe ich im Februar bei EULETA gesprochen, der European Legal English Teachers’ Association. EULETA lädt in der Reihe „External Speaker Training” Referentinnen und Referenten von außen ein. Neunzig Minuten auf Zoom, Kolleginnen und Kollegen aus mehreren europäischen Ländern, und der Verband hatte die Fragen der Teilnehmenden vorab eingesammelt. Sechzehn kamen zusammen, sehr konkrete.

Der Vortrag richtete sich an Trainerinnen und Trainer. Die Fragen dahinter betreffen aber jeden, der Englisch im Beruf benutzt, ohne damit aufgewachsen zu sein.

Global English ist kein schlechteres Englisch

Meine eigene Wende kam, als ich merkte, dass ich Muttersprachler aus anderen Ländern nicht immer verstand. Als Britin. Wenn schon das nicht zuverlässig funktioniert, taugt „perfektes britisches Englisch” schlecht als Maßstab für alle anderen.

Seitdem passe ich mich an. Fortnight wird zu two weeks, splash out zu spend a lot of money, Bob’s your uncle zu there you go. Nichts davon geht verloren, die Sätze werden nur zugänglicher.

Für Sie heißt das: Der größte Teil der englischen Gespräche im Berufsalltag läuft zwischen Menschen, für die Englisch die zweite oder dritte Sprache ist. Ein deutscher Bereichsleiter, eine finnische Projektleiterin, ein brasilianischer Lieferant. Verständlichkeit ist in diesem Raum die eigentliche Währung, und die hängt an Tempo, Pausen und einfachen Sätzen.

Zwei Arten von Fehlern

Bei EULETA habe ich zwischen zwei Sorten unterschieden, und diese Unterscheidung trägt fast meine ganze Arbeit.

Die einen blockieren die Verständigung: das falsche Wort an der entscheidenden Stelle, eine Aussprache, die niemand entschlüsselt, ein fehlender Zusammenhang. Die gehe ich an, zügig und ohne Umschweife.

Die anderen sind lediglich unsauber. „She go” statt „she goes”. Der Satz kommt an, alle haben verstanden, das Gespräch läuft weiter. Der Klassiker bei deutschen Sprechern ist „I have done it yesterday” – grammatisch falsch, inhaltlich vollkommen klar. Diesen Fehler korrigiere ich heute fast nie mehr.

Er hält sich über Jahre, auch bei Menschen mit sehr gutem Englisch. Ich habe nach Jahrzehnten in Deutschland meine eigenen festgefahrenen Fehler im Deutschen, und die verschwinden nicht dadurch, dass jemand mit dem Finger darauf zeigt. Wer dagegen bei jedem kleinen Fehler unterbrochen wird, fängt an, jeden Satz vorher zu prüfen. Dann wird die Sprache steif, und die Person sagt weniger, als sie denkt.

Was erwachsene Lernende tatsächlich bremst

Eine der Fragen lautete, was im Weg steht: die Angst vor Fehlern, schlechte Schulerfahrungen oder etwas anderes. Meine Antwort: die Angst, das Gesicht zu verlieren.

Bei Menschen in gehobenen Positionen ist sie am stärksten. Das Umfeld erwartet, dass jemand auf dieser Ebene es kann, und diese Erwartung sitzt in jedem Meeting mit am Tisch. Dazu kommt die Schulerfahrung, in der ein Satz zuerst auf Fehler geprüft wurde, bevor jemand auf seinen Inhalt reagiert hat.

Das Wissen ist dabei längst vorhanden. Ich lese Maupassant, Camus und Molière. Bitten Sie mich aber nicht, Französisch zu sprechen. Wissen und Sprechen sind zwei verschiedene Fähigkeiten, und nur eine davon lässt sich lesend erwerben.

Für einen Triathlon trainiert man auch nicht, indem man über das Schwimmen liest. Man schwimmt. Vieles davon geht allein, mit Begleitung geht es schneller.

Für einen Triathlon trainiert man auch nicht, indem man über das Schwimmen liest. Man schwimmt, fährt Rad und läuft. Vieles davon geht allein, mit Begleitung geht es schneller.

R.E.S.P.E.C.T. – woran Sie gutes Feedback erkennen

Für die Teilnehmenden habe ich meinen Ansatz in sieben Punkten zusammengefasst, unter dem Stichwort R.E.S.P.E.C.T. Geschrieben ist er für Trainerinnen und Trainer. Sie können ihn auch andersherum lesen, als Maßstab dafür, welche Rückmeldung Sie in Ihrem eigenen Training erwarten dürfen.

R – Relevance. Korrigiert wird, was in Ihrer Welt Schaden anrichtet: Missverständnisse, Verwirrung, ein Verlust an Glaubwürdigkeit. Lehrbuchfehler, die nichts blockieren, bleiben liegen.

E – Empathy. Unter Druck die Sprache zu wechseln ist anstrengend. Sie sind Fachleute, die außerhalb ihrer gewohnten Zone kommunizieren. Anfänger sind Sie nicht.

S – Specific. Klar benannt und ohne Fachjargon: „Sie haben X gesagt, hier brauchen Sie Y, und zwar deshalb.”

P – Practical. Ein Beispiel, das sich morgen wiederverwenden lässt, im Meeting, in der Mail, im Gespräch mit dem Kunden.

E – Encouragement. Korrektur und Anerkennung gehören zusammen. Was bereits trägt, wird ebenso benannt wie das, was fehlt.

C – Curiosity. Nachfragen, ob die Korrektur einleuchtet oder ob Ihnen die Formulierung anderswo schon begegnet ist. So bleibt es ein Gespräch statt einer Ansage.

T – Timing. Den richtigen Moment wählen. Kein Unterbrechen mitten im Redefluss, solange die Verständlichkeit hält. Das meiste kommt nach dem Gespräch.

Nichts davon ist spektakulär. Der Unterschied zeigt sich nach ein paar Monaten, wenn jemand im Meeting einfach weiterspricht, statt innerlich zu prüfen.

Was Sie daraus mitnehmen können

Legen Sie sich zwei oder drei Sätze zurecht, die Ihnen Zeit verschaffen. „That’s a good question. Let me think for a second.” Solche Formulierungen klingen ruhig und kaufen Ihnen genau die Sekunden, in denen Sie sonst ins Stocken geraten. Muttersprachler benutzen sie ständig.

Und sagen Sie Ihrem Trainer oder Ihrer Trainerin, welche Rückmeldung Ihnen hilft. Die wenigsten Menschen tun das, obwohl es ihr Termin ist.

Was ich den Kolleginnen und Kollegen bei EULETA ebenfalls gesagt habe, gehört hierher: Es gibt keinen Zauberstab. Festgefahrene Fehler lösen sich langsam, und Fortschritt verläuft nicht gerade. Manche Kunden reagieren über mehrere Sitzungen hinweg schneller und geraten dann in einem wichtigen Gespräch wieder ins alte Muster. Unter Druck greifen alte Gewohnheiten leichter.

Deshalb setze ich zuerst am Druck an. Kommunikation wächst, wenn der Druck sinkt. Erst wird es ruhiger, dann klarer, dann leichter, und in dieser Reihenfolge stellt sich auch die Genauigkeit wieder ein.

Wenn Sie das Gefühl kennen, dass Ihr Englisch weniger kann als Sie – schreiben Sie mir. Meistens liegt es nicht am Englischen.

Mehr dazu, wie ich arbeite, finden Sie auf der Seite zum 1:1 Englisch Training. Häufige Fragen von Führungskräften beantworte ich auf der FAQ-Seite. Und wenn Sie es lieber gleich ausprobieren möchten: Das Erstgespräch ist kostenlos und dauert dreißig Minuten.

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