Englische Grammatik verständlich erklärt: 4 Regeln mit Eselsbrücken, die Sie nicht mehr vergessen

Ich schreibe hier oft, dass Grammatik selten das ist, was Sie im Meeting ausbremst. Das gilt weiterhin. Es gibt aber eine Handvoll Punkte, bei denen ein Fehler die Bedeutung verändert, und dann hilft alle Präsenz nichts. Wer sagt „I am boring“, hat sich nicht ungeschickt ausgedrückt, sondern etwas anderes gesagt als gemeint.

Vier davon lohnen sich. Für jeden gibt es ein Bild, das im Kopf bleibt.

1. Adjektive mit -ing und -ed

  • -ed beschreibt, wie sich jemand fühlt: He is bored. (Er langweilt sich.)
  • -ing beschreibt, was etwas oder jemand auslöst: He is boring. (Er ist langweilig.)

Noch ein Paar: She is interested (sie interessiert sich) gegen She is interesting (sie weckt Interesse).

Merksatz: -ed hat mit Emotionen zu tun, beide enthalten ein e. -ing zeigt auf die Ursache.

Von allen vier Punkten ist dieser der teuerste, weil der Fehler ausgerechnet in Vorstellungsrunden passiert.

2. Much, many, a lot of

  • Much für Unzählbares: water, time, information. → I don’t have much time.
  • Many für Zählbares: people, books, apples. → How many books do you have?
  • A lot of für beides.

Merksatz: Much klingt wie Matsch, und Matsch kann man nicht zählen. Many enthält ein n wie Nummer, also zählbar.

Eine Feinheit, die selten jemand erwähnt: Im positiven Aussagesatz klingen much und many steif. I have much time sagt niemand. Nehmen Sie dort a lot of, und heben Sie sich much und many für Fragen und Verneinungen auf.

3. Present Perfect

Es fällt Deutschsprachigen schwer, weil es keine Entsprechung im Deutschen gibt. Sie brauchen es in drei Fällen:

  • Erfahrung, ohne dass der Zeitpunkt zählt: I have been to London before.
  • Etwas, das in der Vergangenheit begann und noch andauert: I have lived here for five years.
  • Eine Handlung, deren Folge jetzt spürbar ist: I have lost my keys. (…und habe sie deshalb gerade nicht.)

Merksatz: Das Present Perfect ist eine Brücke. Sie führt von der Vergangenheit ins Jetzt. Sobald Sie den Zeitpunkt nennen (yesterday, in 2019, last week), verlassen Sie die Brücke und nehmen das Simple Past.

4. False Friends

Sie sehen vertraut aus und meinen etwas anderes:

  • actual heißt tatsächlich, nicht aktuell. (Aktuell: current.)
  • eventually heißt schließlich, nicht eventuell. (Eventuell: possibly.) „We will eventually sign” verspricht mehr, als Sie vielleicht meinen.
  • become heißt werden, nicht bekommen. I become a coffee bestellt keinen Kaffee.
  • sympathetic heißt mitfühlend, nicht sympathisch. (Sympathisch: likeable, nice.)
  • chef heißt Koch. Ihr Chef ist Ihr boss oder manager.

Merksatz: False Friends sind der Wolf im Schafspelz. Je vertrauter ein Wort aussieht, desto genauer sollten Sie hinsehen.

Was Sie damit machen

Suchen Sie sich einen dieser vier Punkte aus, den, der Ihnen beim Lesen bekannt vorkam, und achten Sie eine Woche lang nur darauf. Schreiben Sie drei eigene Sätze damit und lesen Sie sie laut. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sie von einer KI prüfen und fragen Sie dabei nicht nur „ist das korrekt“, sondern „würde das ein Muttersprachler in einem Meeting so sagen“.

Mehr als vier Regeln brauchen Sie fürs Erste nicht. Alles andere entscheidet sich ohnehin nicht in der Grammatik, sondern in dem Moment, in dem Sie sprechen – darüber schreibe ich hier.

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